Fehlverhalten beim Hund korrigieren

Vielleicht bist du auf meiner Blog-Seite gelandet, weil du die oben stehenden Begriffe in die Google-Suche eingegeben hast. Womöglich hast du nach diesen Begriffen gesucht, weil:

  • Dein Hund bellt andere Hunde oder Menschen an.
  • Dein Hund knurrt oder schnappt, wenn du an seinen Napf gehst.
  • Dein Hund macht in die Wohnung oder ins Haus.
  • Dein Hund jagt Vögel, Hasen oder Rehe.
  • Dein Hund rammelt.
  • Dein Hund zieht wie ein Ochse an der Leine.
  • Dein Hund buddelt in deinem Garten die Rosen aus.
  • Dein Hund nimmt Futter von der Straße auf.
  • Dein Hund jault, wenn er alleine ist, geht ungefragt auf die Couch oder zerstört Gegenstände.

Solche Verhaltensweisen sind für uns Menschen unschön, stressend, ärgerlich, manchmal vollkommen inakzeptabel und auf jeden Fall etwas, das wir nicht mehr wollen. Einige der Verhaltensweisen können für uns, aber auch für unsere Hunde oder andere Menschen und Tiere sogar sehr gefährlich sein. Was also ist naheliegender, als dieses Fehlverhalten vom Hund zu korrigieren, dem Hund Grenzen zu setzen und ihm so zu zeigen, dass er das nicht mehr machen soll.

Internet und Fernsehen sind voll von Vorschlägen, den Hund mit Wasser zu bespritzen, ihm Rappeldosen vor die Füße zu werfen, ihn körpersprachlich zu blockieren, die Hundenase ins Pipi zu drücken, kräftig zu schimpfen, körperlich auf den Hund einzuwirken (z.B. mit einem Schnauzgriff) oder auf Hilfsmittel wie Erziehungsgeschirre, Sprühhalsbänder und dergleichen zurückzugreifen.

Helfen Verhaltenskorrekturen?

Die Meinungen hierzu gehen auseinander. Manche dieser Maßnahmen helfen. Allerdings nur kurzzeitig. Nachhaltigen Erfolg haben wir damit meistens nicht. Das hat mehrere Gründe:

  1. Viele der störenden Verhaltensweisen sind angeboren. Angeborenes Verhalten ist extrem widerstandsfähig gegen Strafen bzw. Korrekturen, weil es im genetischen Programm als „überlebensnotwendig für den einzelnen Hund oder die ganze Art“ verankert ist. Nahrungssuche und daher auch das Aufnehmen von Nahrung vom Boden, egal ob drinnen oder draußen, gehört dazu. Auch das Jagd- und Sexualverhalten sind angeborene Verhaltensmuster.
    Überlebenswichtig im biologischen Sinne ist es ebenso, wichtige Ressourcen wie den Napf gegen Konkurrenten zu verteidigen und sie nicht kampflos aufzugeben.

    Fühlt ein Hund sich von anderen Hunden oder Menschen bedroht, erlebt er eine Bedrohung für die wichtigste Ressource überhaupt: seine eigene körperliche Unversehrtheit. Oft haben Hunde eine Lerngeschichte hinter sich, aus der sie mitgenommen haben, dass es ihnen nicht hilft, sich von Bedrohungen fernzuhalten. Oder sie wurden auf die eine oder andere Weise daran gehindert. In der Folge können sie eine deutlichere Strategie wählen: Sie gehen nach vorne und versuchen, bedrohliche Hunde oder Menschen zu vertreiben.

    Bestrafen wir unsere Hunde dafür, kommt es nicht selten zur Verschlimmerung des Problems, denn nun kommt noch hinzu, dass Frauchen oder Herrchen auch noch unangenehm wird, wenn diese Bedrohungen auftreten. Für den Hund wird es also doppelt so doof, doppelt so bedrohlich, und das unschöne Verhalten wird sich meistens intensivieren.
  2. Andere der genannten Verhaltensweisen treten hauptsächlich auf, wenn der Hund Stress hat. Das Alleinbleiben zum Beispiel fällt vielen Hunden schwer.
    Auch (exzessives) Buddeln oder das Rammeln sind häufig Stress-Symptome. Ganz gleich, wie wir solches Verhalten korrigieren wollen: wir werden damit für noch mehr Stress sorgen. Und der Hund wird weiterhin oder gar vermehrt diese Stress-Symptome zeigen. Wir machen es mit Verhaltenskorrekturen also schlimmstenfalls noch ärger, selten aber besser.
  3. Lernen unterliegt bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Wir können Hunden nur dann effektiv ein anderes Verhalten beibringen, wenn wir uns an einige Regeln halten. Die Regeln für das Korrigieren von Verhalten sind wahnsinnig komplex und selbst für gut ausgebildete Trainer:innen extrem schwer einzuhalten, wenn das Lernen nicht unter Laborbedingungen stattfindet. Es gibt außerdem Variablen beim einzelnen Hund, die es zu beachten gilt, die wir aber nicht gut abschätzen können.

Strafen soll Verhalten dauerhaft verschwinden lassen. Halten wir uns an die erwähnten Regeln nicht, verschwindet das Verhalten auch nicht. Und so kommt es, dass viele Hundehalter:innen und auch Trainer:innen immer wieder und wieder korrigieren – nicht selten ein ganzes Hundeleben lang.

Eine andere Folge kann sein, dass die Hunde so stark gestraft werden, ohne verstanden zu haben wofür oder wie sie sich stattdessen verhalten sollen, dass sie insgesamt weniger Verhalten zeigen. Sie sind im Verhalten gehemmt, was uns Menschen oft ganz gut gefällt, für die Hunde aber den kompletten Verlust der Lebensfreude bedeuten kann. Ich bin mir sicher, dass du das für deinen Hund nicht willst, sondern nur das störende Verhalten weghaben möchtest.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es zu Fehlverknüpfungen kommt. Immer wieder gibt es Berichte darüber, dass ein Hund z.B. einen Leinenruck beim Anblick eines Kindes erfahren hat und das Hundehirn nun die unangenehme körperliche Einwirkung mit Kindern verknüpft hat. Fortan hat der Hund, an dem vielleicht geruckt wurde, weil er an der Leine zog, Angst vor Kindern oder zeigt Aggressionsverhalten gegenüber Kindern.

Was macht das mit der Bindung?

Ich weiß nicht, was es mit deiner Bindung an deinen Hund macht, wenn du das Gefühl hast, er ärgert dich mit seinem Verhalten und du musst immer wieder korrigieren. Aber ich kann dir sagen, was es mit der Bindung deines Hundes an dich macht.

Eine gute, d.h. eine sichere Bindung entsteht beim Hund, wenn wir berechenbar und zuverlässig sind, und wenn wir seine Bedürfnisse erfüllen. Das sind die nach Sicherheit, Schutz und Nahrung, Sozialkontakt, artgerechter Beschäftigung und „Hund sein dürfen“ mit dem, was nun einmal dazugehört. Und eine sichere Bindung entsteht durch zugewandte Kommunikation. Verhaltenskorrekturen sind genau das nicht. 

Ich stelle mir vor, dass du genauso wie ich von der Vorstellung geprägt bist, mit einem Hund an deiner Seite einen zuverlässigen und idealen Begleiter zu haben, mit dem du durch Dick und Dünn gehst, der dir vertraut, mit dem du dich blind verstehst und der aufs Wort hört. Die meisten von uns erträumen sich ein Leben mit Hund, das ganz so aussieht wie das mit Lassie in der gleichnamigen Serie.
Mit jeder Verhaltenskorrektur entfernen wir uns jedoch einen Schritt weiter von dieser Idealvorstellung. 

Aber wie geht es denn dann?

Nur weil wir diverse Verhaltensweisen nicht nachhaltig wegstrafen können, bedeutet das nicht, dass dein Bedürfnis nach Veränderung nicht erfüllt werden kann. Mir ist wichtig, dass es dir im Zusammenleben mit deinem Hund ebenso gut geht wie ihm. Und ich verstehe, dass sich für dich etwas ändern muss.

Damit wir das erreichen können, ist es wichtig zu schauen, welche Ursache ein Verhalten hat, um effektiv und mit anhaltendem Erfolg daran arbeiten zu können. Wenn zum Beispiel dein Hund in deiner Abwesenheit deine Schuhe frisst, kann das sichere Verstauen der Schuhe bereits eine Lösung sein. Hat dein Hund aber ein Problem damit, von dir getrennt zu sein, wird er statt der Schuhe sehr wahrscheinlich etwas anderes zerstören. Hier müssen wir also der Ursache des Verhaltens zu Leibe rücken. Sonst ärgerst du dich immer wieder.

Im Grunde lässt sich eine Verhaltensveränderung auf eine Formel reduzieren: Wir ersetzen unerwünschtes Verhalten mehr und mehr durch erwünschtes Verhalten. Dadurch wird das Fehlverhalten deines Hundes automatisch immer weniger – und das im besten Fall mit viel Freude, Spaß und Motivation aufseiten deines Hundes und dir selbst.

Bist du neugierig geworden, wie du das Fehlverhalten deines Hundes ohne Korrekturen loswerden kannst? Dann könnte die Hundeverhaltensberatung etwas für dich sein. Nimm gerne Kontakt zu mir auf. Ich freue mich auf dich.

Über Vanessa

Ich bin Pawsitive Life® Coach, habe Hundeverhaltensberatung studiert und erfolgreich eine Ausbildung zum Welpencoach gemacht. Vor allem aber bin ich selbst begeistertes Frauchen im Leben von Iva.

Erfahre mehr über mich.

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