6 Dinge, die für deinen Welpen wirklich wichtig sind

Ein Welpe zieht ein. Was für eine Freude! Gewiss hast du dich schon informiert oder bist gerade dabei in Erfahrung zu bringen, was dein Welpe am Anfang benötigt und was er alles lernen muss. Dabei bist du im Internet womöglich auf Listen gestoßen, die es abzuarbeiten gilt: Dein Welpe sollte in der Sozialisierungsphase alles kennenlernen, womit er es später im Leben einmal zu tun haben würde. Denn was ein Hund in der Sozialisierungsphase kennenlernt, wird ihm später keine Probleme bereiten. 

Doch stimmt das? Muss dein Welpe wirklich Zoobesuche, Spaziergänge über Wochenmärkte, Bus- und Bahnfahrten absolvieren?

1. Sozialisierung: Sozialpartner kennenlernen

Die Sozialisierungsphase deines Hundes dauert etwa bis zur 16. Lebenswoche. In dieser Zeit muss dein Hund nicht alles gesehen haben, was die Welt bereithält. Was wäre das für ein Stress für dich und deinen Welpen!

Bei der Sozialisierung geht um soziale Beziehungen, um Bindung und um die Entwicklung von Sozialverhalten. Wer wird Sozialpartner sein? Mit wem wird dein Welpe zusammenleben? Wie werden soziale Beziehungen gestaltet? Wie reagiert er generell auf andere Lebewesen, speziell Menschen und andere Hunde?

In der Phase der Sozialisierung wird ein Grundstein dafür gelegt, zu welchen Lebewesen ein Hund sich positiv hingezogen fühlt.

Da unsere Hunde sich überwiegend in der Menschenwelt bewegen, sollten Welpen also vor allem auch Menschen kennenlernen. Verschiedene Menschen. Denn Mensch ist nicht gleich Mensch für einen Hund. Es gibt große und kleine Menschen, junge und alte Menschen, fremde Männer und Frauen, Menschen auf verschiedenen Fortbewegungsmitteln (Inliner, Rollstuhl usw.), joggende und hinkende Menschen, Menschen mit und ohne Brille, Bart, Kapuze, Walkingstöcken, Regenschirm, Foto-Kamera usw. Auch die Hautfarbe ist für viele Hunde eine wesentliche Eigenschaft.

Wichtige erste Erfahrungen mit Artgenossen macht dein Hund noch mit seinen Geschwistern und der Mutterhündin. Hier beginnt dein Welpe zu lernen, wie Hunde untereinander kommunizieren. Das Verständnis der Körpersprache ist Hunden nicht angeboren. Sie müssen also erst lernen, welche Bedeutung körpersprachliche Signale haben.

Wie beim Menschen, so ist auch bei Hunden Vielfalt hilfreich, denn Artgenossen können sehr verschieden aussehen. Es gibt Hänge- und Stehohren, lange und kurze Schnauzen, ein- und mehrfarbige Hunde (rein schwarze Hunde sind auch für Artgenossen oft schwer zu lesen), lange und Stummelruten, kurzes und langes Fell usw. Es gibt Hunde mit und ohne Brustgeschirr, Halsband, Maulkorb, an der Leine und freilaufend. All das kann beeinflussen, wie die Körpersprache aussieht. 

Je nachdem, wie du lebst, umfasst die Sozialisierung auch andere Tierarten, zum Beispiel Katzen.

2. Gute Erfahrungen machen

Die Sozialisierungsphase fällt in die sogenannte „sensible Phase“. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass Lernerfahrungen in diesem Zeitraum einen größeren Einfluss auf die Entwicklung eines Tieres und sein Verhalten haben als in anderen Zeitabschnitten des Lebens. Was hier gelernt wird, wird stark verinnerlicht. Gerade emotionale Lernerfahrungen prägen sich tief ein.

In der sensiblen Phase treten jedoch mit größerer Wahrscheinlichkeit Ängste auf. Das ist in der Entwicklung der Welpen erst einmal vollkommen normal. Aber dieser Umstand hat gegebenenfalls weitreichende Konsequenzen: Dein Hund lernt während einer solchen „Gruselphase“ fremde Menschen oder Hunde, Café-Besuche, Bus- und Bahnfahren usw. womöglich nicht als etwas kennen, das kein Problem ist, sondern als etwas, das Angst macht. Und diese Angst geht dann nicht einfach vorbei, nur weil die Gruselphase vorüber ist. 

Es ist also wichtig, für positive (oder neutrale) Erfahrungen zu sorgen und Überforderung zu vermeiden. Zwinge deinen Welpen nicht, andere Hunde zu beschnuppern. Lass nicht zu, dass fremde Menschen deinen Welpen ungefragt anfassen. Trage deinen Welpen nicht zum Güterbahnhof, wo ihn die Geräusche erschrecken könnten. Lass ihn nicht mit Futter in Situationen locken, die für ihn gruselig sein könnten. Zieh ihn nicht an der Leine über den Flohmarkt.

Dein Welpe soll die Gelegenheit haben, in seinem Tempo die Welt zu entdecken. Und es reicht, wenn er sich mit den Dingen und Wesen der Welt aus sicherer Distanz auseinandersetzt. Lass deinen Welpen entscheiden, wie nah heran er gehen möchte.

Die Qualität von Erfahrungen ist wesentlich bedeutender als ihre Quantität. Und positive Erfahrungen sind nicht von direktem Kontakt abhängig. Fremde zu sehen, ohne angefasst zu werden, ist wertvoller als sich von jedem streicheln lassen zu müssen. Sich in einiger Entfernung zu anderen Hunden entspannen zu können, ist förderlicher für die Entwicklung deines Welpen als mit jedem Artgenossen zu spielen. Und bedenke auch, dass es keinen Welpenschutz gibt. 

3. Ausreichend Ruhe und Entspannung

Damit er neue Reize und Erfahrungen verarbeiten kann und nicht überfordert wird, benötigt dein Welpe ausreichend Ruhe. Schon das spricht gegen einen „Sozialisierungsmarathon“. Oft unterschätzen wir, was für unsere neuen Familienmitglieder alles neu ist und verarbeitet werden muss.

Die 5-Minuten-Regel, wonach Welpen je Lebensmonat 5 Minuten am Stück draußen sein dürfen, ist ein grober Richtwert. Es geht aber nicht so sehr um die Dauer, als um die Fülle und Intensität von Reizen, die auf deinen Welpen draußen einströmen. Es ist ein großer Unterschied, ob du mit deinem Welpen 15 Minuten in der Innenstadt oder im Wildgehege unterwegs bist, oder ob ihr 15 Minuten lang auf einer einsamen Bank in der Ödnis sitzt. 

Plane Entlastungstage ein: Wenn ihr heute beim Tierarzt oder kurz am Hundestrand wart, geht es für den Rest des Tages und morgen nur zum Lösen oder für sehr reizarme Trödel-Spaziergänge vor die Tür.
Auch nach anstrengenden Tagen nach Beendigung der Welpenzeit sind Entlastungstage hilfreich, damit dein Hund Stress abbauen kann.

Achte darauf, dass wenn du Kinder hast, diese deinen Welpen schlafen und ruhen lassen. Wähle einen Ruheplatz für deinen Welpen, an dem er ungestört ist.

Ganz wichtig für dich zu wissen ist, dass Welpen noch nicht in der Lage sind, sich selber zu beruhigen. Dein Hund braucht dazu noch eine Weile deine Hilfe. Wie das geht, erfährst du im nächsten Abschnitt über die Beißhemmung.

Die wilden 5 Minuten deines Welpen sind übrigens alles andere als ungewöhnlich. Ufern sie aber aus, weißt du, dass dein Hund zu viele Reize zu verarbeiten hat. Kürze das Aktivitätsprogramm beim nächsten Mal gut ein.

Wenn du das Gefühl hast, du müsstest deinen Welpen immer mehr auslasten, weil er nicht zur Ruhe kommt, oder wenn du glaubst, du müsstest ihn auslasten, weil er einer Arbeitsrasse angehört: nein. Das ist ein Irrtum. Entspannung ist etwas anderes als Erschöpfung, und auch Hunde von Arbeitsrassen benötigen ausreichend Ruhe. Was wir oft unterschätzen, ist, wie sehr Welpen mit ihrer eigenen Hirnentwicklung ausgelastet sind sowie damit, die Welt kennenzulernen.

Aber Achtung: Die Gehirnentwicklung und somit die gesamte Entwicklung eines Hundes benötigt Stimulation. Unterstimulation durch einen Mangel an Sozialkontakten und Umweltreizen kann zu ganz erheblichen Entwicklungsstörungen führen. Während schlechte Erfahrungen in der sensiblen Phase noch veränderbar sind, können gänzlich fehlende Erfahrungen nicht nachgeholt werden. Es treten neurologische Schäden auf, die zumeist nicht rückgängig gemacht werden können. Umweltreize können später nicht verarbeitet werden.

Hunde mit dem sogenannten Deprivationssyndrom (Deprivation: Mangel) leiden oft unter Angst und Unsicherheit der gesamten Umwelt gegenüber. Sie sind chronisch gestresst und dadurch zumeist auch körperlich krank.

4. Beißhemmung lernen

Säuglinge erkunden die Welt mit dem Mund. Sie lutschen, kauen und saugen an allem. Das schließt eigene Körperteile und die von anderen Menschen ein. Hundekinder begreifen die Welt zunächst ganz genauso: mithilfe des Fangs.
Außerdem greifen Hunde mit den Zähnen und halten Gegenstände mit ihnen fest. Der Einsatz von Zähnen ist also erst einmal vollkommen normal.

Beißhemmung ist Hunden nicht angeboren. Im Spiel mit ihren Geschwistern lernen Welpen recht schnell, die Stärke, mit der sie beißen, fein zu dosieren. Beißen sie zu stark, endet das Spiel. Allerdings ist Menschenhaut wesentlich dünner und empfindlicher. Kleine, spitze Milchzähne verletzen Menschenhaut viel schneller und stärker. Das wissen unsere Welpen zunächst nicht.

Wenn dein Welpe beißt, überprüfe die Situation, in der er das macht. Passiert es aus dem Spiel heraus? Oder beißt er, wenn du ihm etwas abnehmen möchtest, zum Beispiel einen Kauartikel? Beißt dein Welpe rennenden Kindern in die Hosenbeine? Oder beißt er für dich wie aus dem Nichts heraus?

Oft beißen Welpen im Überschwang beim Spielen. Auch du kannst reagieren wie die Geschwister deines Welpen: unterbrich ein Spiel bei Zahnkontakt sofort. Zusätzlich kannst du kurz quietschen. Nach einer kurzen Pause nimmst du das Spiel mit deinem Welpen wieder auf.

Achte darauf, dass ihr mit Spielzeug spielt. Gerade (ältere) Kinder und Männer neigen dazu, recht körperbetont zu spielen. Verhindere das und erkläre, dass Spielzeug das Interesse von der Haut weglenkt. Auch Kleidung soll nicht als Spielobjekt herhalten.

Zu wildes Spiel pusht deinen Welpen hoch, und dann fehlt ihm die Selbstkontrolle beim Einsatz seiner Zähne. Ein aus der Sicht deines Welpen abruptes Spielende bedeutet, dass er viel Energie im Körper hat und dann nicht weiß, wohin mit sich und seiner Energie. Und wenn du deinen Welpen von dir wegschiebst, weil er dir zu wild ist, kann ihn das noch mehr anstacheln. All das macht Beißen wahrscheinlicher.
Erinnere dich: Welpen können sich noch nicht selber herunterfahren. Hilf deinem Hund, indem du euer Spiel verlangsamst, es auslaufen lässt und schließlich mit etwas Futter beendest.
Ein gefüllter Kong, eine Schleckmatte, ein Schnüffelteppich o.ä. hilft deinem Welpen dann, sich unabhängig von dir weiter zu entspannen.

Verzichte auf Bestrafungen. Hier [Link zu Verhaltenskorrekturen] habe ich erklärt, warum Verhaltenskorrekturen keine Lösung sind.

Auch mit Futter kannst du an der Beißhemmung deines Welpen arbeiten: Nimm einen Futterbrocken in die Hand und schließe sie. Kratzt oder beißt dein Hund, um an das Futter zu kommen, bleibt die Hand geschlossen. Leckt dein Welpe an deiner Hand, stupst sie mit der Nase an oder wartet er ab, öffnest du deine Hand und dein Welpe kann sich das Futterbröckchen nehmen.

Stellt dein Welpe dich vor größere Herausforderungen, was das Erlernen der Beißhemmung betrifft, nimm rechtzeitig Kontakt zu einem Mensch-Hunde-Coach, einem/einer Hundetrainer:in oder Verhaltensberater:in auf und lass dich unterstützen. Denn es gibt ein Zeitfenster, innerhalb dessen Hunde eine Beißhemmung entwickeln sollten. Hinterher wird es extrem schwer. Um die 20. Lebenswoche herum schließt sich dieses Zeitfenster.

5. Körpersprache lernen

Die Körpersprache unserer Hunde verrät uns viel über ihr Wohlbefinden, über ihre Emotionen, Absichten und Bedürfnisse. 

Mithilfe der Körpersprache deines Welpen kannst du einschätzen, ob er gestresst ist und eine Pause braucht. Durch die Körpersprache wird erkennbar, ob dein Welpe nur ein bisschen drüber ist und deshalb zwickt, oder ob sein Beißen vermutlich eine andere Ursache hat. Die Körpersprache deines Welpen verrät dir, ob er sich vor etwas oder jemand gruselt und deine Unterstützung braucht, oder ob er gerade eine gute Lernerfahrung macht. Die Körpersprache macht es möglich festzustellen, ob dein Welpe gerade mit einem Artgenossen ein Rennspiel veranstaltet und hierbei nur die Beute spielt oder ob er ernsthaft auf der Flucht ist.

Lass dich von einem Mensch-Hunde-Coach, einem/einer Hundeverhaltensberater:in oder Hundetrainer:in dabei unterstützen, deinen Hund zu lesen und zu verstehen.

6. Bindung und Vertrauen

Bindung ist ein Grundbedürfnis unserer Hunde. Eine sichere Bindung stärkt das Vertrauen deines Hundes in sich selbst, in dich und in die Welt.

Genau wie wir Menschen brauchen Hunde Sozialpartner:innen, auf die sie sich verlassen können. Das bedeutet, dass ihnen da, wo es nötig ist, Schutz geboten wird. Dass sie Geborgenheit, Sicherheit und in für sie schwierigen Situationen Unterstützung erfahren. Hunde brauchen es für eine gute Bindung, dass ihre Bedürfnisse, wo es geht, erfüllt und ihre Gefühle wahrgenommen werden. Dass auf sie Rücksicht genommen wird.
Hunde brauchen genau wie wir Bezugspersonen, die berechenbar sind und nicht heute vollkommen anders reagieren als gestern. Sie brauchen Menschen an ihrer Seite, die fair und empathisch sind und zugewandt mit ihnen kommunizieren.

Und: Hunde brauchen Sozialpartner:innen, mit denen sie Spaß haben. 

In der Regel wissen wir intuitiv, was es für eine vertrauensvolle Beziehung braucht. Möchtest du jedoch genauer wissen, wie und wodurch du die Bindung zu deinem Welpen noch verbessern kannst, dann lass dich am besten von einem Pawsitive Life® Coach, Welpencoach oder Mensch-Hunde-Coach begleiten:

Lerne, wie du deinen Welpen unterstützen kannst, die Welt so kennenzulernen, dass sie für ihn keine dauerhafte Bedrohung darstellt und was du machen kannst, wenn dein Welpe doch ängstlich oder mit Überforderung reagiert.

Suche dir auch dann fachkompetente Unterstützung, wenn dein Hund trotz aller Bemühungen nicht zur Ruhe kommt oder du bei der Beißhemmung nicht weiterkommst.

Lass dich inspirieren, welche gemeinsamen Aktivitäten deinem Welpen und auch dir Freude bereiten können.

Erfahre, wie die Kommunikation zwischen dir und deinem Hund immer einfacher und klarer wird. Denke daran: Ihr gehört verschiedenen Spezies an, und der jeweils andere spricht eine Fremdsprache. Ihr benötigt zur Verständigung eine gemeinsame Sprache.

Erkundige dich über das Wesen der Hunde und darüber, was zu ihren Grundbedürfnissen gehört. 

Als Welpen- und Pawsitive Life ® Coach berate ich dich gerne und unterstütze dich, indem ich mein Wissen weitergebe und dich praktisch vor Ort anleite.

Nimm Kontakt zu mir auf.

Über Vanessa

Ich bin Pawsitive Life® Coach, habe Hundeverhaltensberatung studiert und erfolgreich eine Ausbildung zum Welpencoach gemacht. Vor allem aber bin ich selbst begeistertes Frauchen im Leben von Iva.

Erfahre mehr über mich.

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